Pattinson, Radcliff, Stewart - Das künstlerische Erwachen der Teenie-Stars

Auffällig oft suchen inzwischen (erfolg)reiche Teenie-Stars aus künstlerisch wenig anspruchsvollen Produktionen im Anschluss an die ersten großen Rollen ihr Heil in kleineren, speziellen Filmen. Hier zeigt sich der Versuch, mit extremen Rollen, wie Daniel Radcliffs Darstellung einer Leiche in Swiss Army Man, die Abgrenzung von der ikonischen Figur der früheren Jahre zu schaffen. Dieser Trend offenbart ungeahnte Fähigkeiten und lenkt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf Arthaus-Filme.

Was bewegt Twilight-Multimillonär Robert Pattinson dazu, an einem Projekt wie Good Time mitzuwirken? Good Time ist ein alternativer Gangsterfilm aus dem Jahr 2017, der dem Wort "massentauglich" wenig Beachtung schenkt. Der US-amerikanische Kino-Release beschränkte sich auf circa 700 Kinos. Zum Vergleich: Der letzte Teil der Twilight-Reihe startete allein in den USA in mehr als 4000 Kinos. Entsprechend unterschiedlich fallen Einspielergebnisse aus und dementsprechend auch die Gehälter. Mit einer Farbgebung á la Spring Breakers und einem eindrucksvollem Synthie-Sound lassen die beiden Regisseure Mr. Pattinson einen sympathischen Loser spielen, der dennoch ziemlich cool wirkt. Diese Rolle verkörpert der 31-jährige so gut, dass er glatt die wohl beste schauspielerische Leistung des Jahres abgeliefert hat. Der als Cedric Diggory in Harry Potter bekannt gewordene und als Edward Cullen in der Twilight-Saga zum attraktiven Schönling ohne großes Talent abgeschriebene Star blüht plötzlich auf.
Ähnlich ging es Harry Potter-Darsteller Daniel Radcliff, der beispielsweise in Swiss Army Man einen überzeugenden Versuch unternahm, das Image des jungen Zauberschülers loszuwerden. Auch Pattinsons Twilight-Kollegin Kristen Stewart wurde bereits als untalentierter Teenie-Star abgeschrieben. Inzwischen wird sie für Darstellungen wie die der Maureen in Personal Shopper hoch gelobt und hat sich zu einer der Besten in Hollywood hochgespielt. 

Das offensichtliche Bedürfniss der genannten Stars, nach den mainstreamtauglichen Frühwerken dem Erfahrungsschatz auch Nischenproduktionen hinzuzufügen ist durchaus erfreulich. Nicht nur, weil sich so schauspielerisches Talent offenbart, sondern auch weil kleine, innovative Produktionen auf diese Weise mehr Aufmerksamkeit erhalten. 

Filmempfehlungen: Good Time (Robert Pattinson), Swiss Army Man (Daniel Radcliffe), Personal Shopper (Kristen Stewart)