Warum es letztendlich doch nur ums Image geht

Hollywood-Filme predigen meist Gleichberechtigung und Wohlstand für alle. Die soziale Lage in den USA wird oft angeprangert und auch die Kriegspolitik verurteilt. Sieht man sich die Listen der Unterstützer im Wahlkampf an, so findet man jede Menge Hollywood-Unterstützer von Hillary Clinton, während Bernie Sanders nur vereinzelt Zuspruch erhält. Warum Kritik an Trump berechtigt, aber oft heuchlerisch ist und warum es in Hollywood letztendlich doch nur ums Image geht. 

In Hollywood gab es während der Vorwahlen um die Kandidatur der demokratischen Partei nur eine Siegerin: Hillary Clinton. Eine schier endlose Liste an Hollywood-Größen unterstützte sie im Wahlkampf um das Weiße Haus. Doch wie passt die Unterstützung von Gerge Clooney, Meryl Streep und anderen zu deren angestrebtem Image? Meryl Streep erregte Aufsehen, als sie bei den Golden Globes 2017 Donald Trump in ihrer Rede heftig anging. Eine starke Rede mit der richtigen Aussage, die Trumps Nachäffen eines behinderten Journalisten verurteilte. Eine Aktion von Trump, die ohne jeden Zweifel verabscheuungswürdig ist, doch stellt sich die Frage, weshalb diese explizite Kritik an der politischen Situation meist nur dann ausgedrückt und auch medial gefeiert wird, wenn es in so offensichtlicher und medienwirksamer Weise geschieht wie in diesen Fall. Ich spreche Frau Streep nicht ab, ernsthaft geschockt gewesen zu sein und aus vollem Herzen gesprochen zu haben, jedoch hat sie sich für die Kritik an der politischen Lage zu einem Zeitpunkt entschieden, als diese populär war. Hillary Clinton gilt als aggressive Außenministerin, die unter Barack Obama zahlreiche globale Krisen militärisch zu lösen versuchte. So schreibt Micah Zenko vom Council on Foreign Relations gar, Clinton wäre außenpolitisch aggressiver eingestellt als Donald Trump. Mit Haiti, dem Irak, Pakistan, Afghanistan, Libyen und Syrien zählt er sechs kriegerische, teilweise völkerrechtswidrige Interventionen auf, die Clinton maßgeblich mitgetragen hat. Die Kritik einer Meryl Streep oder ihrer Kollegen blieb nicht nur aus, diese Taten wurden in dem sonst so pazifistisch spielenden Hollywood soweit ignoriert, dass Clinton öffentliche Unterstützung erhielt. 

George Clooney, ein weiterer prominenter Unterstützer Hillarys, trat bereits Mitte 2015 dem Enough Project bei. Die NGO hat sich zur Aufgabe gemacht, durch das Verfolgen von Geldströmen die Finanziers der Kriege auf dem afrikanischen Kontinent ausfindig zu machen. So will die Organisation die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass ein Krieg weitergeht, so lange daran verdient wird. Sie verfolgt das Ziel, Frieden zu schaffen und Kriege zu verhindern, doch auch Herr Clooney ignorierte Clintons Hang zu kriegerischen "Konfliktlösungen" und thematisierte diese nicht. Weniger die Inhalte als viel mehr das Signal spielte hier eine Rolle. Für die erste Frau im Weißen Haus zu stimmen, ist sexy, für den in die Jahre gekommenen Sozialisten, der für soziale Gerechtigkeit steht, vielleicht weniger. Vielleicht sind die meisten Stars dieser Welt aber auch nur äußerlich interessiert an einer sozialeren Politik und fühlen sich sehr wohl in dem aktuellen System. 

Das Ärgerliche ist nicht, dass Donald Trump stark kritisiert wird. Das Ärgerliche ist das Messen mit zweierlei Maß. Donald Trump wird (zurecht) weltweit kritisiert, weil in den USA eine Whistleblowerin festgenommen wurde, die mutmaßlich Informationen über Russlands Einfluss auf die US-Wahl veröffentlichte. Dass kein US-Präsident so viele Whistleblower festgenommen hat wie Barack Obama zu seiner Amtszeit, wurde medial kaum behandelt und das, obwohl es bei Obamas Whistleblowern nicht um Wahlen ging, sondern um schreckliche Kriegsverbrechen amerikanischer Soldaten. Der charismatische Obama lässt sich der internationalen Öffentlichkeit eben schlechter als der Kriminelle verkaufen als der wild Unsinn twitternde Trump. Egal, was Obama tat, Hollywood und die gesamte Entertainment-Branche hat ihn geliebt. Als Entertainer und deshalb auch als Präsident. Leider funktioniert diese Kausalität aber nur in den Unterhaltungsmedien.

Vielleicht hätte eine stärkere, öffentliche Kritik an der Poltik der Demokraten auch zu einem Umdenken in der Partei geführt und das Wahldebakel 2016 hätte abgewiesen werden können. Die Demokraten hätten gemerkt, dass Wallstreet-Politiker á la Obama und Clinton unbeliebt sind wie nie und die Bevölkerung sich nach etwas anderem sehnt als dem klassischen Establishment der letzten Jahre. Bernie Sanders wäre der gute Establishment-Gegner gewesen, der mit sozialen Gedanken die USA wieder solidarischer hätte machen können, durch die erzwungene Clinton-Kandidatur bekamen die Demokraten dann Trump, den republikanisch-rassistischen Milliardärs-Establishment-Gegner. Zuzuschreiben hat es sich die demokratische Partei selbst und auch Hollywood hätte anders Stellung beziehen können. Schade, dass Hollywood so mutlos ist.

 

Filmtipps: Natural Born Killers, Memoirs of a Murderer (zum Thema: Wer charismatisch ist, wird für alles gefeiert); All Governments Lie (Dokumentation über Regierungen)

Quellen: Council on Foreign Relations, zeit.de, amny.com, focus.de, guardian.com, sueddeutsche.de