Toni Erdmann, Der Nachtmahr und Schneeflöckchen - Drei deutsche Filme machen Hoffnung

Drei völlig unterschiedliche Filme geben Anlass zu Hoffnung für die deutsche Filmlandschaft. Abseits von seichten Komödien und TV-Krimis liegen die wahren Perlen des deutschen Films. Toni Erdmann, Der Nachtmahr und Schneeflöckchen hinterließen in den letzten Jahren den größten Eindruck. Drei Filme, die nicht nur für die Qualität deutscher Filme, sondern ebenso für die Vielseitigkeit stehen, die in breitem Maße möglich wäre, wenn Filmförderanstalten und alteingesessene Chefs individuellere Projekte zulassen würden. Drei Filme, die scheinbar aus der Maschinerie ausgebrochen, eigenes geschaffen haben. 

Schneeflöckchen, gesichtet beim Fantasy Film Festival 2017, sorgte für regelrechten Jubel im Kinosaal. Stilsicher wie Tarantino drehte die Crew diesen No-Budget Streifen innerhalb von vier Jahren. Der Verzicht auf Förderung und die damit verbundene Freiheit zeigen wunderbar die unterdrückte Qualität deutscher Regisseure, die es schwer haben, in der nationalen Filmwelt etwas Eigenes, Neues finanziert zu kriegen. Der Film, der die Meta-Ebene so simpel bespielt, wie es beispielsweise das PC-Spiel The Stanley Parable tat, handelt von dem Drehbuch des Filmes, den man gerade schaut. Damit ist bereits genug über den Film gesagt, der noch keinen Kinoverleih gefunden hat, mit dem richtigen Marketing aber ein echter Erfolg werden könnte. Absurd und brutal, lustig und clever bringt Schneeflöckchen den Zuschauer immer wieder zum Nachdenken, ob man das Drehbuch des eigenen Lebens nicht austricksen könnte, sofern man es doch kennt. Wer möchte, kann hier durchaus Themen wie Gott und das Schicksal erkennen. Wer dies nicht möchte, kann einfach einen Film genießen, der scheint, als hätten Tarantino und Nolan ihn gemeinsam produziert und dabei keineswegs von Frühwerken kopiert, sondern sich ausschließlich von diesen inspirieren lassen. Man darf hoffen, dass die Beteiligten in Zukunft eine Finanzierung erhalten und es nicht weitere vier Jahre dauert, bis das nächste Schneeflöckchen kommt. 

Der Nachtmahr, ein deutscher Monsterfilm, beginnt mit einer Epilepsie-Warnung, die nicht einmal bei Gaspar Noes Enter the Void ausgesprochen wird. Auch Nachtmahr-Regisseur Akiz verzichtete auf an Bedingungen geknüpfte Fördergelder und konnte so einen freien Film drehen, der nicht nur aufgrund des Einsatzes von Strobo-Licht ein intensives Erlebnis ist. Der Film fühlt sich an wie das gefeierte, harte französische Kino der letzten Jahre, ohne dabei wie ein Abklatsch zu wirken. Die Figur des Nachtmahrs hat in seinem Design und seinem Charakter etwas so abschreckend Faszinierendes, dass dieser Film allein durch diesen Aspekt Innovation pur ist. Achim Bornhak, der bereits einige Auftragsarbeiten filmisch umsetzte, änderte extra seinen Namen in Akiz, um eine klare Trennung zwischen Filmen zu schaffen, die seinem Geist entsprechen und Jenen, bei denen er an Vorgaben gebunden ist. Sich für seine Filme rechtfertigen zu müssen passt dem Bildhauer und Maler gar nicht und das merkt man dem eigenwilligen Projekt an. Komromisslos ist der Film nicht nur in seinem Gezeigten, sondern auch in seiner Umsetzung und führt damit vor Augen, dass auch in Deutschland innovative Filme möglich sind. Der Nachtmahr handelt von inneren, unbewussten Ängsten und dem Unvollkomenen in Zeiten des Perfekten und ist der erste Teil einer Trilogie über die Themen Geburt, Liebe und Tod. Themen, die man den Deutschen in nationalen Förderanstalten und großen Produktionsfirmen wohl nicht zutraut. Der Erfolg des Nachtmahrs beweist jedoch das Gegenteil. 

Toni Erdmann, drei Stunden deutsche Comedy und reichlich Grund zur Hoffnung. Der neueste der drei genannten Filme ist anders als die anderen beiden Werke staatlich gefördert und zeigt, dass Freiheiten kein Fremdwort für die Förderer sind, solange es sich um "leichtere" Themen handelt. Regisseurin Maren Ades Werk wurde zurecht bei den Filmfestspielen von Cannes gefeiert und für einen Oscar nominiert. Die herzhafte Komödie hat so wenig von dem gängigen deutschen Comedy-Prinzip und so viele innovative Ideen, die nicht nur Lacher generieren, sondern auch nachdenklich stimmen. Vielschichtiger waren in den letzten Jahren nur wenige Filme. Bleibt die Hoffnung, Deutschland erkennt endlich den Wert von Filmen, die unter freier Regie entstehen, auch wenn es keine Vater-Sohn-Geschichte á la Toni Erdmann ist, sondern auch dann, wenn kontroversere Themen angepackt werden. Hollywood-Streifen oder dem nächsten Elyas M'Barek-Erfolgsgarant bedarf es keiner Förderung. Die genannten Projekte hätten so jedoch die Möglichkeiten und die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. 

Filmtipps: Toni Erdmann, Der Nachtmahr, Schneeflöckchen