Mann beißt Hund und Natural Born Killers: Gewalt als Gesellschafts-kritik?

Die Medienkritik schlägt einem geradezu ins Gesicht, wenn man sich Filme wie Mann beißt Hund oder Natural Born Killers anschaut. Das unmoralische Verhalten der Medien wird angeprangert und die darauffolgende Verrohung der Gesellschaft thematisiert und persifliert. Gewalt wird kritisert, doch ebenso nutzen die Filme diese Gewalt ihrerseits als Verkaufsargument und verkaufen diese als unterhaltend. Betrügen die Filme so ihre eigene Aussage? 

Ob BILD, RTL oder Sat1, die Quote muss stimmen und die Verkaufszahlen hoch bleiben. Moralische Grundsätze werden häufig ausgeblendet. Eine Entwicklung, die ein Film wie Natural Born Killers überspitzt dargestellt anprangert. Auch Mann beißt Hund ist eine einzige Karrikatur dieser Entwicklung. Wer die Filme gesehen hat weiß jedoch, dass diese mit Gewaltdarstellung keineswegs geizen. Diese wird immer vor dem Hintergrund der medialen präsenz praktiziert und der teilhabende Journalist ignoriert moralische Grundsätze aufgrund des spektakulären Materials. Eine eindeutige, überspitzte Darstellung der aktuellen Medienlandschaft. Durch die Gewalt, die die genannten Filme ihrerseits als einen Selling Point nutzen, wirken diese auf den ersten Blick eher wie eine Glorifizierung der gezeigten Handlungen und weniger wie eine Verurteilung. In Mann beißt Hund begleitet ein Kamerateam die Hauptfigur über die gesamte Länge des Films bei Morden. In der ersten Szene des belgischen Films erklärt die besagte Hauptfigur, mit welchem Beschwerungsverhältnis man Erwachsene wie Kinder mit Steinen zusammenbinden muss, damit seine Opfer auf dem Grund eines Flusses unauffindbar bleiben. Spektakulär wie erschreckend und kein Grund für die Journalisten, das Material nicht auszustrahlen.
Die Szenen schockieren und machen fassungslos, sind teilweise unerträglich und anklagend. Doch ebenso ist der gesamte Film eben auch interessant. Darin liegen die eigentlichen Stärken des Films und der Grund, weshalb die selbst praktizierte Glorifizierung der Gewalt erst den gewünschten Effekt erzeugt. Dem Zuschauer vor Augen zu führen, was sein Interesse weckt und dies in dieser überspitzten und extremen Art und Weise zu tun, ist die direkteste Art der Kritik am Zuschauer. Mann beißt Hund kritisiert nicht den Medienbetrieb an sich, sondern die Konsumenten, deren Interessen bestimmen, was gezeigt wird. Der Film verbirgt das Kritisierte also in sich und regt den interessierten Zuschauer dazu an, das eigene Interesse zu hinterfragen. Eventuell sorgt er so dafür, dass der Konsument bei der nächsten medialen Hexenjagd bei einem unbewiesenen Fall nicht teilnimmt, nur um seinen Sensationsdurst zu stillen. 

Natural Born Killers thematisiert einen weiteren Aspekt des menschlichen Verhaltens. Das mörderischen Paar in dem Film wird für seine Authentizität von unbeteiligten gefeiert. Die Handlungen der Täter geraten in den Hintergrund, da die Verehrung der Mörder gut zum eigenen Image passt. Auch hier wird mit dem Mittel gearbeitet, das Kritisierte in sich zu tragen. Man präsentiert ein "cooles" Paar, dem man gerne zuschaut, sodass man sich des öfteren in Erinnerung rufen muss, was man sich gerade anschaut. Eine Handlung, die man auf das Leben übertragen kann. Als erstes fallen mir in dem Zusammenhang Marken ein, die häufig gefeiert werden, ohne zu hinterfragen und "coole" Marken werden gekauft, da sie zum Image passen sollen, während die Handlungen der Unternehmen ignoriert werden. Parallelen zu den Mördern im Film und eine offene Kritik an der fehlenden Weitsicht vieler Konsumenten, sowie dem fehlenden Mitgefühl für alles, was weiter entfernt ist als der eigene Gartenzaun. Doch verurteilen die Filme nicht nur, sondern sie zeigen auch die Macht der Verbraucher, die sie haben könnten, wenn sie nur wollten. 

Filmtipps: Natural Born Killers, Mann beißt Hund, Memoirs of a Murderer