Darren Aronofsky Ranked - Vom schlechtesten bis zum besten Film

Darren Aronofsky gehört wohl zu den letzten echten Künstlern in Hollywood. Und wie es sich für Künstler gehört ist sein Werk geprägt von großer Ambivalenz, großartigen Filmen und ebenso Ausrutschern. Kaum eine Filmografie deckt mit gerade einmal sieben Filmen eine so große Bandbreite an Themen ab und schwankt dabei so sehr was die Qualität angeht. Lest jetzt meine persönliche Rangliste seiner Filme.

Platz 7: Noah (2014)
Was sich Aronofsky bei diesem Film gedacht hat, bleibt ein völliges Rätsel. Noah mit Russell Crowe und Emma Watson erzählt die Geschichte von der biblischen Person Noah und dem bekannten Bau seiner Arche, auf der er seine Familie und viele Landtiere rettete. Aronofskys Umsetzung der epischen Geschichte wirkt pausenlos vollkommen kitschig und belanglos. Die Schauspielerleistungen sind von aufgesetztem Over-Acting durchzogen und kaum auszuhalten, während die Special-Effects ihr übriges tun um das Seherlebnis endgültig zu zerstören. Mit einem Budget von 125 Millionen US-Dollar ist der Film der mit großem Abstand teuerste, den Aronofsky je gedreht hat, weshalb es offenbar Streitigkeiten mit dem Studio bezüglich des Final Cuts gab. Wer sich letztendlich durchgesetzt hat ist nicht klar, jedoch lässt der Film jegliche Kreativität und jegliche Besonderheiten vermissen, weshalb Paramount offenbar beim finalen Schnitt das Sagen hatte. Hoffen sollte man es zumindest. 

Platz 6: The Fountain (2006)
Deutlich kreativer und besonderer als Noah ist The Fountain, der in drei Zeitebenen eine Geschichte über das Leben, das Sterben und das Schicksal erzählt. Dies tut Aronofsky mit vielen Symbolen, einigen schwer zu entschlüsselnden Szenen und einer letztendlich leider zu wirren Geschichte, die sich eindeutig zu viel zumutet. Der Regisseur, der sein Können bezüglich der abstrakten Darstellung verschiedener Themen ebenso unter Beweis gestellt hat wie sein Händchen für das Verzahnen mehrerer Erzählebenen scheitert bei The Fountain leider an seinen eigenen Stärken. Die Geschichte ist unübersichtlich und die Symbolik entweder zu platt oder zu verschlüsselt, sodass am Ende ein Film bleibt, den niemand wirklich gebraucht hätte.

Platz 5: mother! (2017)
Jennifer Lawrence und Javier Bardem spielen in Aronofskys neuestem Film ein Ehepaar, das in einem abgeschotteten Haus wohnt und nur selten in Kontakt mit anderen Menschen kommt. Zu Beginn ist es durchaus interessant, Jennifer Lawrence durch das große Haus zu begleiten, während ihr Mann eine Schreibblockade durchlebt und zeitweise ein unangenehmer Zeitgenosse ist. Auch der erste unangekündigte Besuch, sowie die weiteren skurrilen Personen, die das Haus aufsuchten, weckten noch mein Interesse und meine Neugier, wie die Auflösung dieses stark gespielten Films wohl aussehen wird. Doch zum Ende hin dreht der Film um 180 Grad und wird zu einem einzigen Wust an verrückten Szenen und Metaphern, sodass man schon bald nicht mehr hinterherkommt. mother! ist intensiv und beeindruckt visuell auch hin und wieder, jedoch lässt der Film den Zuschauer letzten Endes vollkommen ratlos zurück. Der Film erstickt an seinen eigenen Metaphern und Symbolen, seinen unverständlichen Bibelanspielungen und offenbart den Willen Aronofskys, nicht nur Regisseur, sondern auch Künstler zu sein. Vielleicht verarbeitet er diesen Wunsch auch in der Figur von Javier Bardem. Vielleicht ist mother! ein künstlerisch wertvolles Meisterwerk, welches die innere Zerrissenheit und Unzufriedenheit des Schöpfers auf die Leinwand bringt, allerdings ohne dabei ein wirklich guter Film zu sein.

Platz 4: Pi (1998)
Der Debut-Film von Aronofsky handelt von der Zahl Pi. Der Protagonist in dem Schwarz/Weißen Psycho-Film ist besessen von logischen Zahlenfolgen, Mathematik in der Natur sowie Mustern in Zahlensystemen. Was nach einem Film aus dem Mathe-Unterricht klingt ist ein visuell beeindruckendes Werk, das den Zuschauer durch seinen Look und seine Darstellung von Besessenheit bis hin zum völligen Wahnsinn in seinen Bann zieht. Letzten Endes geht es nicht um Zahlen. Es geht um Sucht, um den inneren Zwang, ein Ziel zu verfolgen, der das Leben bestimmt und dabei hilft, alle anderen Anforderungen auszublenden. Starkes Spielfilm-Debut, das Surrealismus und Realismus vereint und damit schwer zugänglich ist, jedoch den belohnt, der den Zugang findet. 

Platz 3: Black Swan (2010)
Der Black Swan ist Natalie Portman, ist eine verlorene Kindheit, ist elterliche Verbitterung. Aronofskys Drama über eine Ballett-Tänzerin ist ein harter Horrorfilm und ein tragisches Drama, ist ein Kunstfilm über Kunst, bleibt aber dennoch auf dem Boden. Black Swan ist schauspielerische Meisterleistung gepaart mit großartiger Inszenierung. Die Musik, die Bilder, wunderschön und schrecklich. Die Psyche der getriebenen, scheiternden wie erfolgreichen Protagonistin wird so intensiv beleuchtet, dass der Zuschauer hineingesogen wird in Portmans Seelenleben, welches von Wahnvorstellungen und großem Leid durchzogen ist. Black Swan ist ein vollendeter Psychothriller, der so intensiv ist, dass man froh ist, am Ende wieder losgelassen zu werden.

Platz 2: The Wrestler (2008)
The Wrestler erzählt eine ähnliche Geschichte wie Black Swan. Der ehemalige Profi-Wrestler "The Ram", gespielt von Mickey Rourke, findet sich nicht zurecht in einer Welt ohne Rampenlicht, ohne Fans, ohne Wrestling. Probleme mit der Tochter, Probleme mit gewöhnlichen Jobs und Probleme, den fortschreitenden Alterungsprozess seines Körpers zu akzeptieren. Was klingt, als würde der Film wenig Neues bieten, wird durch Aronofskys intensive Inszenierung und Rourkes großartiges Spiel zu einem Meisterwerk des Sportfilms. Eindrucksvoll spielt der Regisseur mit der Erwartungshaltung der Zuschauer, indem er das übliche Rezept für einen Film des Genres über Bord wirft und dem Genre seinen eigenen Stempel aufdrückt. Brutal und schonungslos präsentiert Aronofsky den Sport ebenso wie Rourkes Seele. Beides wird weder geschönt noch glattgebügelt, beides wirkt authentisch und weckt Interesse an einem Sport, der weitgehend als albern angesehen wird. Es gibt keine Helden in The Wrestler, nur Rourke und eine Welt, in der es keinen Platz mehr für den alternden Profi gibt. Dass der Protagonist das weiß und letzten Endes auch akzeptiert macht den Film so einzigartig, innovativ und unfassbar traurig. 

Platz 1: Requiem for a Dream (2000)
Einmal gesehen und nie wieder. Es gibt nur wenige Filme, die zu Lieblingsfilmen werden, die man aber kein zweites Mal schauen will. Neben Dancer in the Dark und Irreversible ist bei mir auch Requiem for a Dream einer dieser Filme. In einem Zeitraum von drei Jahreszeiten erzählt dieses Meisterwerk von verschiedenen Personen, die durch Drogensucht jegliche Träume in ihrem Leben zunichte machen. Illegales Heroin ebenso wie legale Abnehmpillen. Requiem for a Dream ist eine schreckliche Tragödie über den durch TV-Programm und Werbung vorgegaukelten amerikanischen Traum, der  ebenso ein Traum bleibt, wie die Zukunftsvisionen im Heroin-Rausch. Der Film ist Horrorfilm, Psychothriller und Sozialdrama in einem, ist handwerklich auf höchstem Niveau und der Umgang mit dem Thema Drogen war selten so abschreckend und einprägsam. Aronofsky hat einen Film geschaffen, den man kein zweites Mal schauen möchte. Auch hat er einen Film geschaffen, den man kein zweites Mal schauen braucht, weil er sich für immer ins Gedächtnis brennt.