2017 - Meine Top 10 des Jahres

Der letzte Kinostart des Jahres ist geschafft. Es ist also an der Zeit, die zehn besten Filme des Jahres zu präsentieren. Egal, ob Kinofilm, Direct to DVD oder Netflix-Produktion, alle Filme, die im Jahr 2017 in Deutschland offiziell starteten, werden in meiner Liste berücksichtigt. Sowohl bei den großen Blockbustern, als auch den kleinen Independent-Filmen gab es dieses Jahr großartige Vertreter. Lest hier meine ganz persönlichen Highlights des Jahres. 


Platz 10: Star Wars: The Last Jedi  
(Kinostart: 14.12.17)
Niemals hätte ich nach den Episoden 1,2,3 und 7, sowie Rogue One gedacht, dass nochmal ein Star Wars-Film zu meinen zehn besten Filmen des Jahres gehören würde. The Last Jedi war aber derart anders als die vorherigen Teile, räumte mit einigen, festgefahrenen Klischees der Reihe auf und machte dabei so viel Spaß im Kino, dass er einen Platz in dieser Liste verdient. Starkes Blockbuster-Kino mit anspruchsvollen Figuren, einer vielschichtigen Story und häufig großartiger Optik wird leider nur von dem oft unpassenden Humor unterbrochen. Ansonsten war es ein großes Kinoerlebnis. 

Platz 9: Moonlight  (Kinostart: 9.3.17)
Als Moonlight dieses Jahr den Oscar für den besten Film gewann, da war er in Deutschland noch nicht einmal gestartet. Umso höher war die Hoffnung, dass die Academy nach der Prämierung von Spotlight im Vorjahr mal wieder ein wirklich gutes Werk ausgezeichnet hatte. Moonlight ist ein wunderbarer Film, der das Leben des Afroamerikaners Chiron in drei Akten zeigt und dabei so viel über ihn, die Gesellschaft in den USA und die Gefühle eines jungen Mannes erzählt, der eigentlich einfach nur er selbst sein möchte. Moonlight braucht für die Geschichte keine Weißen, es geht nicht um Rassismus, nicht um Schwarz und Weiß, es geht nur um Chiron und sein Leben in seinem Umfeld. 

Platz 8: It  (Kinostart: 5.9.17)
Für mich als Horrorfilm-Noob war It entgegen der allgemeinen Meinung stellenweise durchaus furchteinflößend. Doch die eigentliche Stärke des Film ist die selbe, die auch das Buch schon von üblichen Vertretern des Horror-Genres abhob. Der Film erzählt wunderschöne Coming of Age-Geschichten. Nicht nur eine oder zwei, sondern sieben Geschichten über Ängste, familiäre Probleme und das Älter werden erzählt It, bitterböse und wunderschön. Die Kinder wurden perfekt gecastet und sind so sympathisch und authentisch, dass ich den Film trotz der durchaus schrecklichen Geschehnisse gerne erneut schauen möchte. Wenn mehr Horrorfilme wie It erscheinen, könnte mir das Genre bald wieder besser gefallen. Oder man dreht einfach Coming of Age-Filme, die so gut sind wie dieser. 

Platz 7: Personal Shopper  (Kinostart: 19.1.17)
Manchmal schaut man einen Film, verliebt sich und weiß nicht so wirklich, warum eigentlich. Personal Shopper schafft eine besondere Stimmung, die schwer zu greifen oder in Worte zu fassen ist. Jedenfalls erzählt der Geisterfilm mit der großartigen Kristen Stewart eine ganz besondere Geschichte, die auf eine ganz besondere Art und Weise umgesetzt wird. Mehr lässt sich beinahe gar nicht zu dem Film sagen. 

Platz 6: The Killing Of a Sacred Deer  (Kinostart: 28.12.17)
Der letzte Kinostart des Jahres bot nochmal eine Symphonie des Grauens der besonderen Art. Der griechische Regisseur Giorgos Lanthimos beweist große inszenatorische Kunst und erzählt mit wundervoll bedeutungsvollen Bildern eine schreckliche Geschichte von Rache und dem Zerfall einer Familie. The Killing of a Sacred Deer blickt tief in die Seelen der Mitglieder der vermeintlichen Vorzeigefamilie, die bei Problemen jedoch vollkommen in sich zusammenfällt. Der bedrückendste Film des Jahres bietet keine Empathie, keine Liebe, aber wunderschöne Kamerarbeit. 

Platz 5: Suburra  (Kinostart: 26.1.2017)
Suburra startete in Italien schon 2015, in Deutschland bekam der Film erst Anfang 2017 seinen verdienten, wenn auch kleinen Kinostart. Wer den Film La Grande Belezza (2013) von Paolo Sorrentino kennt, der die Schönheit der Künstlerstadt Rom zeigt und den Zuschauer diese lieben lehrt, der stelle sich vor, dass Suburra das exakte Gegenteil ist. Suburra zeigt das dreckige, das korrupte und von mafiösen Machenschaften durchzogene Rom. Ein politischer Thriller, der viele Facetten von staatlichem bis hin zu menschlichem Versagen in sich vereinen kann und eine beeindruckend spannende wie interessante Geschichte über die vermeintlich wunderschöne Stad erzählt. 

Platz 4:  Mudbound  (Netflix: 17.11.17)
Netflix brachte 2017 einige Filme heraus. Gute Beispiele wie Okja und The Meyerowitz Stories standen im starken Gegensatz zu Filmen wie Bright oder The Babysitter. Doch nur ein Netflix-Film konnte in diesem Jahr wirklich zeigen, welches Potenzial in den Produktionen steckt: Mudbound. Matschig zu Deutsch und das beschreibt den Film bereits äußerst gut, der auf den ersten Blick wirkt wie der nächste Südstaaten-Film über Rassismus in einer langen Reihe. Doch Mudbound ist besser. Es geht nicht um den schwarzen Sklaven und den weißen Gutsherren, es geht um eine arme, schwarze Familie und eine arme, weiße Familie. Beide Familien pachten vom selben Land und sind theoretisch auf der gleichen Ebene. Theoretisch, denn in den Köpfen beider Familien herrschen die festgefahrenen Gedanken der Ungleichheit. Als jeweils ein Sohn der Familie aus dem zweiten Weltkrieg zurückkehrt, zeigt sich, dass sich die Welt abseits der Südstaaten weiterentwickelt hat. Der Weiße versteht den Sinn von Rassismus nicht mehr, der Schwarze möchte sich nicht mehr wie ein Mensch zweiter Klasse behandeln lassen. Beides eckt in den eigenen Familien an. Fortschritt passt nicht zu Stillstand. Mudound zeigt nicht nur ein Facette, wie es beispielsweise 12 Years a Slave tat, bei Mudbound haben alle Figuren einen Hintergrund und sind vielschichtig. Starker Film mit einem atemberaubenden Ende. Großes Kino... beziehungsweise großes Netflix. 

Platz 3:  The Handmaiden  (Kinostart: 5.1.2017)
Park Chan-wook, Regisseur von Old Boy, konnte in diesem Jahr sein nächstes Meisterwerk in die deutschen Kinos bringen und zeigt einmal mehr, wie gut das asiatische Kino ist. The Handmaiden erzählt mit wunderschönen Bildern eine unfassbar interessante, völlig innovative Geschichte. In drei Kapiteln offenbart sich immer mehr von der Handlung und viele unerwartete Wendungen überraschen den Zuschauer so sehr, dass M. Night Shayamalan daneben verblassen würde. Die ersten beiden Kapitel zeigen die gleichen Geschehnisse aus unterschiedlicher Perspektive. Ein inszenatorischer Kniff, der so gut funktioniert, dass er den ganzen Film auf ein neues Level hebt. Diese Geschichte wird dann im dritten Akt zu Ende gebracht und ließ mich staunend zurück. Ein inszenatorisch wie inhaltlich beeindruckender Film. 

Platz 2: Hell or High Water  (Kinostart: 12.1.17)
Der Neo-Western Hell or High Water schafft es, die ganze Misere der USA in 102 Minuten zu verpacken und dabei auch noch einen unterhaltsamen Film zu bieten. Der Regisseur verbindet gekonnt klassische Western-Elemente und aktuelle Probleme miteinander und setzt dabei das triste Texas in Szene. Banken, die das System kontrollieren und Existenzen gefärden, Vernachlässigung von ganzen Landesteilen und daraus resultierendes Ungleichgewicht zwischen Land und Stadt sind Probleme, die in Amerika nicht erst seit Trump akut sind. Fast schon beiläufig zeigt der Film den Sohn eines Farmers, der sagt, er wolle diese Arbeit nicht machen, es wäre schließlich 2016. Ein Western über politisch verantwortete Rückständigkeit in Zeiten von Smartphones und die Gefahr, die die Macht der Banken für ganze Gesellschaften haben kann, wenn es mehr Menschen wie die zwei Brüder gibt, die sich dem System nicht mehr beugen wollen. Ein ernüchternder und politisch äußerst relvanter Film, der durch seine spannende Story und starken Darsteller dennoch sehr unterhaltsam ist.

Platz 1: Elle  (Kinostart: 16.2.17)
Elle ist für mich der beste Film des Jahres. Isabelle Huppert spielt in Paul Verhoevens Meisterwerk ein Vergewaltigungsopfer. Ein Film, den sich in den USA niemand zu verfilmen gewagt hatte, der in seinen harten Momenten so schrecklich ist wie in seinen humorvollen Moment lustig. Ein humorvoller, wie schockierender Thriller, bei dem man nie so ganz zu Hupperts Figur durchdringen kann, es dennoch genießt, ihr bei ihrem grandiosen Spiel zuzuschauen. Der Film unterhält mit seinen ständigen, unerwarteten Wendungen und nähert sich dem Thema Vergewaltigung damit auf eine neue Weise, indem man die Psyche des Opfers näher beleuchtet, als es normalerweise der Fall ist. Damit schafft es Verhoeven, dem Thema gerechter zu werden als jeder vorherige Film. Letzt Endes ist Elle jedoch einfach ein vollendeter Thriller á la Hitchcock, der Humor und Spannung verbindet, das ernste Thema wird jedoch nicht zuletzt wegen der grandiosen Darstellung von Frau Huppert nie auf die leichte Schulter genommen.


Ebenfalls erwähnenswert: Loving VIncent, Hounds of Love, Good Time, Blade Runner 2049, La La Land, Detroit, Tragedy Girls, Baby Driver, Okja, Suburbicon

Leider verpasst: Silence, A Cure for Wellness, Paddington 2, Coco, A Ghost Story, Billy Lynn's Long Halftime Walk, The Founder, Loving