Brazil (1985) ★★★★★

Die Zukunft der totalen Überwachung, der totalen Dokumentation und der totalen Entmenschlichung. Regisseur Terry Gilliam erschafft eine Ebene zwischen völliger Absurdität und vollkommenem Realismus, wie sie nur mit britischen Charme möglich ist. Skurrile, unfassbar lustige Szenen stehen in diesem Film in keinem Kontrast zu der tristen, realen Zukunftsvision, die gezeichnet wird. Wenn der staatliche Verwaltungsapparat keinerlei Kontrolle unterliegt, Menschenleben nur noch auf dem Papier etwas bedeuten und man nur noch funktionieren muss, dann pflanzt der Staat den Terrorismus in die Köpfe der Bürger, die diese Welt nicht ertragen können. Träume werden in dem Film so lange bekämpft, bis sie endgültig erstickt sind. Alles, was der Staat macht, passiert hinter verschlossenen Türen. Unter dem Credo, Terrorismus zu verhindern, verkommt die Regierung zum eigentlichen Terroristen, der Andersdenkenden keinerlei Toleranz schenkt. In Zeiten der Möglichkeit auf unbefristete Präventivhaft in Bayern und dem Patriot Act in den USA ist der Film von 1985 durchgehend aktuell geblieben und bleibt eine Warnung, denn unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung hat das System in Brazil die Macht erlangt, die es beinahe unanfechtbar macht. Der Terrorismus kommt gelegen, um zu legitimieren.

Die Gesellschaft in Brazil ist bei der völligen Ignoranz angelangt. Bombenanschläge, die zwei Meter entfernt Menschen töten, werden vollkommen ignoriert und der technische Fortschritt in der Sicherheit führt zu immer mehr Abschottung und Kontrolle, doch keineswegs zu mehr Sicherheit. Diese Entwicklung präsentiert Gilliam so charmant und unterhaltsam, dass es Spaß macht zuzuschauen. Viele lustige und verrückte Szenen spielen sich ab, die sich nicht beschreiben lassen, sondern die man gesehen haben muss. Dass der Film dadurch keineswegs an Relevanz oder Ernsthaftigkeit einbüßt, macht ihn absolut einzigartig.

Es gibt so viele Details in Brazil, die man entdecken möchte, es passiert so viel, dass man es unmöglich in eine Review pressen kann. Ein inszenatorischer Mix aus Monty Python und Orson Welles Der Prozess klingt unmöglich, doch gelingt hier so reibungslos, dass man am Ende das Gefühl hat, zwei Filme gesehen zu haben. Beide Emotionen löst Brazil aus. Groteske Komödie und schreckliche Dystopie, Monty Pythons Anarchie und George Orwells Zukunftsvision. Am Ende hilft nur noch der Rückzug in die eigenen Gedanken. Einer der besten Filme aller Zeiten. (der ursprünglich den Titel 1984 1/2 tragen sollte)

- Bewertung: 5/5
- Unbedingt im Original schauen!
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