Godzilla (1954) #Japanuary ★★★★

Japanuary Nummer 1: Godzilla, im Westen zur platten Grundlage für zweitrangige Abenteuerfilme verkommen, steht in Japan wie ein Sinnbild für die US-amerikanischen Atombombenabwürfe 1945. Godzilla, das Wesen, das durch Atomtests geschaffen wurde, ist in dem Originalfilm von 1954 mehr als nur Monster. Der ganze Film zeigt eine verängstigte Gesellschaft, die einer völlig unerwarteten Bedrohung gegenübersteht und beinahe daran zu zerbrechen droht. Als wäre diese Visualisierung der atomaren Bedrohung nicht schon beeindruckend genug, geht Godzilla noch einen Schritt weiter und setzt sich mit der wissenschaftlichen Verantwortung gegenüber den Gefahren ihrer Erfindungen auf eine sehr interessante Art und Weise auseinander. Godzilla ist ein durch und durch japanischer Film, der nur als solcher funktioniert. Betrachtet man das Werk vor dem Hintergrund der japanischen Geschichte, so ist er durchaus ein Meisterwerk der Geschichtsaufarbeitung, das sich nicht scheut, Ursachen zu benennen und anzuprangern. Das Atombombentrauma, verarbeitet in einem durchaus spaßigen Abenteuerfilm mit charmanten Effekten, wirkt für einige westlich Geprägte vielleicht taktlos, regt aber deutlich stärker zum eigenen Nachdenken an, als ein klassischer Historienfilm ohne Interpretationsspielraum. Und dieses "eigene Nachdenken" ist doch das Einzige, was Bewusstsein und dann Veränderung schaffen kann.

- Bewertung: 4/5
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