Lady Snowblood (1973) #Japanuary ★★★★☆

Japanuary Nummer 2: Lady Snowblood, eine vollendete Rachegeschichte. Was der Regisseur hier auf die Bildschirme zaubert, wie er mit Zoom, Musik und Farben arbeitet, wie er die charismatische Hauptfigur in Szene setzt und dem Blut eine Art eigenen Charakter gibt, beeindruckt sehr. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich Quentin Tarantino hier so einige unübersehbare Inspirationen für seinen eigenen Samurai-Revenge-Film holte. Einige Szenen wirken gar, als hätte Tarantino sie einfach nachinszeniert. Doch diesen Vergleich mit einem westlichen Werk braucht Lady Snowblood überhaupt nicht, denn auch ohne Tarantinos Ritterschlag ist der Film so fesselnd in seinen Bildern, dass er ab der ersten Minute Gänsehaut auslöst. Was man exploitationfilmtypisch storytechnisch einfach hinnehmen muss, macht er durch eine vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Thema Rache wieder wett. Lady Snowblood präsentiert zu Beginn den Drang nach Selbstjustiz für den Zuschauer menschlich und nachvollziehbar, zeigt jedoch im Laufe des Films, weshalb diese Art der persönlichen Vollstreckung gesellschaftlich untragbar ist. Wenn das Gesetz "Schuld" hat, gibt es für ebendiese keinen Anlass mehr. Bösartig und dennoch wunderschön, extrem blutig und doch wirkt der Film sehr clean. Ambivalenz in der Inszenierung sowie der Herangehensweise an das Thema macht Lady Snowblood zu einem großartigen Werk. 

- Bewertung: 4,5/5
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