The Shape of Water (2017) ★★★★

Guillermo Del Toro, Regisseur von den Meisterwerken Pans Labyrinth und Hellboy 2: The Golden Army, hat mit The Shape of Water erneut einen beeindruckenden Film gedreht. Jede Sekunde spürt man seine Liebe zu dem Medium Kino und der Film wirkt wie ein klares Statement gegen die aufkommende Verlagerung des Filmkonsums in das Home-Entertainment und für den Erhalt der Kinokultur. Dies tut er nicht nur mit den wunderschönen Bildern und der Musik, die nur im Kino ihre volle Wirkung entfalten kann, auch wird im Film selbst das Kino als magischer Ort dargestellt, der beeindruckt und verzaubert.
Vor dem Hintergrund des kalten Krieges Anfang der sechziger Jahre und des gegenseitigen Hasses aufgrund von Hautfarben und Nationalitäten erzählt The Shape of Water mit einer überraschend besonderen und spannenden Geschichte Gegenteiliges. Die sehr spezielle Liebesgeschichte zwischen der stummen Elisa und einer unbekannten Kreatur aus dem Wasser ist eine Ode an den Blick für Gemeinsamkeiten und fordert eine Rückbesinnung auf das Selbstverständnis als Lebewesen der Erde, anstatt nationales Denken weiter auszubauen. Dabei schafft Del Toro, was amerikanische Filme mit einem ähnlichen Hintergrund oft versäumen: Er bezieht keine Stellung für die USA, er lässt Schwarz und Weiß fallen und zeigt den Charakter beider Seiten des kalten Krieges gleichermaßen Rücksichtslos und Verabscheuungswürdig. Wissenschaftliche Erkenntnisse und Empathie mit der Natur geraten in The Shape of Water in den Hintergrund, wenn es nur darum geht, dem Feind möglichst großen Schaden zuzufügen und jedes Wunder der Natur nur auf seine Nützlichkeit als Waffe untersucht wird. Dagegen steht der wissenschaftliche Drang nach Fortschritt und Elises vorurteilsfreie Akzeptanz anderer Lebensformen aufgrund ihrer eigenen Situation in einem großartigen Gegensatz, der dem Film eine Ebene abseits seiner Bildgewalt verleiht. 
Große schauspielerische Leistungen, wunderschöne Bilder und tolle Musik, dazu eine extravagante Geschichte, die mit viel Liebe zum Detail beeindruckt, zu Völkerverständigung und einem neuen Selbstverständnis aufruft. Das alles wird mit der angenehmen Naivität präsentiert, die aus der vereinfachten Darstellung des Themas Krieg resultiert und dem Ganzen eine märchenhafte Stimmung verleiht, sodass man trotz ernstem Thema, teilweise brutaler Szenen und der realitätsbezogenen Aussage mit einem guten Gefühl das Kino verlässt.

- Bewertung: 4/5
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