I, Tonya (2017) ★★★★

I, Tonya, das Biopic über die ehemalige Eisläuferin Tonya Harding, ist ein großartiger Film. Während sich die meisten Biografien auf die Fahne schreiben, sie würden die Wahrheit erzählen, spielt der Film I, Tonya ganz offen damit, dass er aus rein subjektiven Schilderungen der beteiligten Personen besteht. Kein Film über wahre Geschehnisse, ja keine Nachrichtensendung kommt ganz ohne Subjektivität aus, doch scheint es jeder Film, jeder Tagesschaubeitrag für sich zu beanspruchen. Dieses Werk jedoch nicht. Gerade dieser Schachzug macht den Film zu etwas Besonderem, das in dem Umfeld von immer ähnlicher werdenden Produktionsmechanismen einen neuen Weg einschlägt. Ganz nebenbei erörtert I, Tonya Themen wie Erziehung und häusliche Gewalt intensiv, zeigt dabei Extreme und Szenen, bei denen einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Doch ist der Film eben nicht nur ambivalent in seiner humoristisch anmutenden Darstellung harter Szenen, der Film ist offen subjektiv. Und wenn der seine Frau schlagende Ehemann die Taten im Nachhinein relativiert, dann zeigt der Film dies. Und wenn Tonya entgegen der allgemeinen Darstellung behauptet, sie hätte nicht auf ihren Ehemann geschossen, dann sagt sie es uns, während wir die Szene sehen, in der es passiert. I, Tonya zeigt uns die zwei Seiten der Wahrheit und führt uns in seiner Machart beispielhaft vor Augen, warum "objektive Berichterstattung" grundsätzlich zu hinterfragen und Subjektivität nichts Schlimmes ist. Der Film ist, was Journalismus sein sollte: transparent, wer gerade mit welchem Interesse berichtet, vielseitig in seinen Aussagen, die er nicht wertet und eben nicht voller verschleierter Meinungen, die versteckt und einseitig beeinflussen. 
Der Film macht spaß, ist toll geschnitten, toll gespielt, intelligent und hat eine Aussage, die heutzutage ebenso gewagt wie selten ist. 

- Bewertung: 4/5
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