Godzilla (1954) #Japanuary ★★★★

Japanuary Nummer 1: Godzilla, im Westen zur platten Grundlage für zweitrangige Abenteuerfilme verkommen, steht in Japan wie ein Sinnbild für die US-amerikanischen Atombombenabwürfe 1945. Godzilla, das Wesen, das durch Atomtests geschaffen wurde, ist in dem Originalfilm von 1954 mehr als nur Monster. Der ganze Film zeigt eine verängstigte Gesellschaft, die einer völlig unerwarteten Bedrohung gegenübersteht und beinahe daran zu zerbrechen droht. Als wäre diese Visualisierung der atomaren Bedrohung nicht schon beeindruckend genug, geht Godzilla noch einen Schritt weiter und setzt sich mit der wissenschaftlichen Verantwortung gegenüber den Gefahren ihrer Erfindungen auf eine sehr interessante Art und Weise auseinander. Godzilla ist ein durch und durch japanischer Film, der nur als solcher funktioniert. Betrachtet man das Werk vor dem Hintergrund der japanischen Geschichte, so ist er durchaus ein Meisterwerk der Geschichtsaufarbeitung, das sich nicht scheut, Ursachen zu benennen und anzuprangern. Das Atombombentrauma, verarbeitet in einem durchaus spaßigen Abenteuerfilm mit charmanten Effekten, wirkt für einige westlich Geprägte vielleicht taktlos, regt aber deutlich stärker zum eigenen Nachdenken an, als ein klassischer Historienfilm ohne Interpretationsspielraum. Und dieses "eigene Nachdenken" ist doch das Einzige, was Bewusstsein und dann Veränderung schaffen kann.

- Bewertung: 4/5
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Star Wars: The Last Jedi (2017) (mit Spoilern) ★★★★

Ich bin kein riesiger Fan von Star Wars. Die alte Trilogie ist für mich sehr gute Unterhaltung, wobei Episode 6 bereits etwas nachlässt und die Prequel-Filme sind meiner Meinung nach Blockbuster auf niedrigstem, teilweise kaum zu ertragend schlechtem Niveau. Episode 7 war ein passabler Film mit netten Actionszenen und sympathischen Charakteren, orientiert sich dabei jedoch so sehr an den alten Filmen, dass er über diesen Status leider nicht hinauskommt. Außerdem hat Regisseur J.J. Abrams scheinbar immer den Drang, sehr viele, zu viele Mysterien aufzubauen, um das Interesse des Zuschauers zu wecken. Dies tat er bereits bei Lost, was in einer Katastrophe endete und dann eben auch bei Episode 7, Ende noch offen.
Scheinbar hat Episode 8-Regisseur Rian Johnson keine Lust gehabt, sich auf dieses Spiel einzulassen und geht über Vieles einfach ohne Erklärung hinweg oder lässt die aufgebaute Spannung einfach verpuffen. Dass dies vielen Fans sauer aufstößt, denen das Gesamtwerk so wichtig ist, ist verständlich, für den Film Die Letzten Jedi jedoch war es die beste Entscheidung, die Johnson hätte treffen können.

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Brazil (1985) ★★★★★

Die Zukunft der totalen Überwachung, der totalen Dokumentation und der totalen Entmenschlichung. Regisseur Terry Gilliam erschafft eine Ebene zwischen völliger Absurdität und vollkommenem Realismus, wie sie nur mit britischen Charme möglich ist. Skurrile, unfassbar lustige Szenen stehen in diesem Film in keinem Kontrast zu der tristen, realen Zukunftsvision, die gezeichnet wird. Wenn der staatliche Verwaltungsapparat keinerlei Kontrolle unterliegt, Menschenleben nur noch auf dem Papier etwas bedeuten und man nur noch funktionieren muss, dann pflanzt der Staat den Terrorismus in die Köpfe der Bürger, die diese Welt nicht ertragen können. Träume werden in dem Film so lange bekämpft, bis sie endgültig erstickt sind. Alles, was der Staat macht, passiert hinter verschlossenen Türen. Unter dem Credo, Terrorismus zu verhindern, verkommt die Regierung zum eigentlichen Terroristen, der Andersdenkenden keinerlei Toleranz schenkt. In Zeiten der Möglichkeit auf unbefristete Präventivhaft in Bayern und dem Patriot Act in den USA ist der Film von 1985 durchgehend aktuell geblieben und bleibt eine Warnung, denn unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung hat das System in Brazil die Macht erlangt, die es beinahe unanfechtbar macht. Der Terrorismus kommt gelegen, um zu legitimieren.

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Man on the Moon (1999) ★★★★

Andy Kaufman war mir keinerlei Begriff, bevor ich diesen Film über den vielleicht spannendsten Performance-Künstler aller Zeiten sah. Jim Carrey spielt sein selbsternanntes Vorbild in diesem Film über das Leben eines Mannes, der die Grenzen zwischen Genie und Wahnsinn ausdehnte wie kaum ein Anderer. Carrey spielt den Künstler so authentisch, dass es nicht überrascht, dass einige Fans glauben, Jim Carrey wäre Andy Kaufman, der nicht dem Tod, sondern plastischer Chirurgie zum Opfer gefallen sei. Man on the Moon regt an, sich intensiver mit dem Mann zu beschäftigen, dessen wahres Wesen vielleicht nur er selbst kannte. Gelungen präsentiert der Film dem Zuschauer die Meilensteine in Kaufmans Leben, die verstörend und faszinierend zugleich sind. Fremdscham weicht häufig Bewunderung für einen Menschen, der sein Leben vollkommen seinen Kunstfiguren hingibt und seinem Publikum die Absurdität des Lebens vorführt, indem er sie selbst vorlebt. So kontrovers in seinen Aktionen, dass man die Verschwörungstheorie, Andy Kaufman wäre Donald Trump, fast schon glaubt. Gesagt hätte es uns Präsident Kaufman zumindest bis jetzt noch nicht.

- Bewertung: 4/5
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Justice League (2017) ★★

Für einen kleinen Moment lässt Justice League hoffen, etwas Neues in der gleichgeschalteten Welt der Superheldenfilme zu sein. Leider zerschlägt Snyder diese Hoffnung schnell. Keine ernsthafte Szene kommt ohne einen albernen Spruch von Flash aus. Keine Sekunde gibt es auch nur den Hauch von Spannung. Das führt dazu, dass der Film eine Aneinanderreihung von Szenen ist, von denen die Eine oder Andere durchaus unterhaltsam sein kann, jedoch noch keinen guten Film macht. Man sieht einen Marvel-Film im DC-Universum, der sich ebenso formelhaft und mutlos anfühlt, wie die Filme der Konkurrenz.

- Bewertung: 2/5
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